29 Januar 2019

Reflexionsräume in der Chef-Etage

"Ein Plädoyer für die Entwicklung einer achtsamen Führungskultur auf höheren Entscheidungsebenen. Durch eine neue Führungshaltung mit Supervision."

Es fehlt etwas in der modernen Unternehmensführung. Es ist der innerbetriebliche  Raum des Nachdenkens, Aufarbeitens und Verstehens, außerhalb einer geschäftsmäßigen Meeting-Kultur auf Leitungsebene. Agile und kollegiale Konzepte der Unternehmensführung geben dem Führungsdialog und den Rollen unter Entscheidern eine neue Funktion und Haltung.  Doch fehlt die Erweiterung der Perspektive und Wahrnehmungsfähigkeit durch einen externen Fokus, z.B. durch Leitungs- und Teamsupervision.

Supervision nur für soziale, gemeinnützige und öffentliche Institutionen?

Supervision fristet in Wirtschaftsunternehmen ein Nischendasein und ist bestenfalls als Beratungsformat in Change-Prozessen bei Klein- und Familienunternehmen integriert. Aus der Historie hat Supervision den Ursprung in der tiefenpsychologischen Fallarbeit im Feld der Sozialarbeit und fand im Laufe ihrer professionellen Etablierung Einzug im Gesundheitssektor und pädagogischen Arbeitskontexten (Belardi 2013). Verbunden mit dem Ziel, berufliches Handeln und die Kommunikation in Arbeitsbeziehungen durch Reflexion zu verbessern und Entlastung für die Systembeteiligten zu schaffen.

Die Chancen von Reflexionsprozessen in der freien Wirtschaft

Aus der Verortung im „sozialen Kontext“ resultiert das größte Mißverständnis. Supervision ist nicht Seelsorge und nicht Psychotherapie. Im Zentrum steht die reflexive, fragende Auseinandersetzung über berufsbezogene Zusammenhänge im System. Dies kann gerade in der freien Wirtschaft ein Gewinn für die Organisationsentwicklung sein. 

Nämlich dann, wenn die Bereitschaft mitgebracht wird, das eigene „Aquarium“ in bestimmten Zeitabständen bewußt zu verlassen, die Perspektive zu wechseln und eigene Denk- und Handlungsgewohnheiten zu hinterfragen. Jenseits von Wachstums-, Vertriebs- und Rentabilitätszielen.  Eine solche, neu gewonnene Freiheit, stärkt interne Kooperationen und wirkt nachhaltig auf den Systemerhalt, die Unternehmenskultur und die Arbeitszufriedenheit.

Vermeintliche Grenzen aufbrechen

Die Widerstände liegen sicher da, wo durch externe Beratungsleistungen das Vertrauen massiv beschädigt ist. Wissen im Zuge interner Konkurrenzdynamiken oder zur Erlangung von externen Wettbewerbsvorteilen mißbraucht wurde. Auch fördern die aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen in Teilen Mißtrauen, Vorbehalte und Abgrenzung.

Ich möchte Sie ermutigen. Wagen Sie sich auf neues Terrain und starten Sie einen Reflexionsprozess. Investieren Sie in etwas Zeit und in ihre Führungshaltung.  Die Wirkung wird nachhaltig sein.